Was bedeutet Jagdrecht, -ausübungsrecht?

Bereits seit über 150 Jahren ist das Jagdrecht in Deutschland untrennbar mit dem Grund und Boden verbunden. Dies ist ein wesentlicher Grundpfeiler der Jagd in Deutschland.

Zuvor war es ein Privileg des Adels die Jagd allein, auch auf fremden Grundbesitz, betreiben zu dürfen. Eine Pflicht für Schadenersatz an Flur- und Ernteschäden bestand dabei aber nicht.
Dies wurde geändert und es entstand die rechtliche Bindung an Grund und Boden.
Es führte allerdings zunächst zu einer Überjagung bestimmter Wildarten einerseits und andererseits zu vermehrten Wildschäden an land- und forstwirtschaftlichen Flächen.
Um dieser Fehlentwicklung Einhalt zu gebieten und verantwortliches Verhalten für das Gemeinwohl zu praktizieren, trennte man, als Folge der bürgerlichen Revolution von 1848, das Jagdrecht vom Ausübungsrecht.

Daher schließt heute der Besitz von Grund und Boden nicht automatisch das Recht ein, auch das dort lebende Wild bejagen zu dürfen.
Nach der Konzeption des Bundesjagdgesetzes darf dies nur in Jagdbezirken geschehen (§ 3 Abs. 3 BJagdG).
Dieses sog. Reviersystem bewirkt aber, dass praktisch die gesamte Fläche der Bundesrepublik in einzelne Jagdbezirke eingeteilt ist.
Über das Reviersystem mit seinen Mindestpachtzeiten und der Hegepflicht schaffen die jagdgesetzlichen Regelungen eine persönliche Verantwortung der Grundbesitzer als Jagdgenossen, als Jagdrechtsinhabern. Sie und der Jäger als Ausübungsberechtigter begründen damit ihre örtliche Zuständigkeit für einen Auftrag im Sinne des Gemeinwesens.

In den Jagdbezirken darf der Jagdausübungsberechtigte die Jagd ausüben, also Wild hegen, jagen und sich aneignen. In der Regel wird das Jagdausübungsrecht vom Jäger in einem Jagdbezirk gepachtet. Ausnahme ist ein Eigenjagdbesitzer, der sein Revier selbst bejagen möchte. Er muss allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen, nämlich einen Jagdschein besitzen. Die im Jagdgesetz verankerte Waidgerechtigkeit verlangt zudem von jedem Jagdausübenden, die Jagd mit all ihren Elementen im Einklang mit den allgemeinen Gesetzen und dem Natur- und Tierschutz zu halten.

Die Beziehung zwischen dem Grundeigentümer als Jagdrechtsinhaber und dem Jäger als Jagdausübungsberechtigten ist damit vergleichbar mit einem Vermieter- Mieter- Verhältnis. Mit dieser Regelung, die Rechte und Pflichten auf beiden Seiten normiert, setzte der Gesetzgeber schon früh einer willkürlichen und unkontrollierten Bejagung von Wildtieren Grenzen und schuf gleichzeitig die Grundlage für die nachhaltige Jagd.
Die eigentums- und reviergebundene Jagd in Deutschland ist damit ein sich selbst tragendes System auf privater Basis und es verbindet in vorbildlicher Weise das Recht zum Nutzen mit der Pflicht zum Schützen.
Eigentum verpflichtet eben.

 

Zuletzt aktualisiert am 13.01.2018 von Winfried Schmidt.

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