Wolfgang Heins sagt „Tschüss!“
Langjähriger Kreisjägermeister und Präsident des Landesjagdverbandes SchleswigHolstein verabschiedete sich aus seinen Ämtern – und zieht Bilanz
In der Kreisjägerschaft Pinneberg geht eine Ära zuende. Wolfgang Heins tritt kürzer. Eigentlich sind es sogar zwei endende Epochen, denn der geborene Lutzhorner gibt nicht nur sein Amt als Kreisjägermeister auf, sondern trat auch bei der Wahl zum Präsidenten des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein nicht wieder an. Er schildert, wie sich die Welt gedreht hat, seitdem er 1979 seine Jägerprüfung abgelegt hatte.
„Ein Arbeitskollege hatte mich damals angesprochen, ob wir nicht gemeinsam den Ausbildungskurs besuchen sollten. 1980 erfolgte dann der Eintritt in den Jagdverband“, so Wolfgang Heins, „für mich war und ist das Jagen immer ein wichtiger Ausgleich zum Alltag und Berufsleben gewesen. Ich genieße das Alleinsein in der Natur mit dem bewussten Wahrnehmen der jahreszeitlichen Veränderungen und das Beobachten von Wildtieren aller Art. Es war und ist ein ständiges Lernen und Verstehen.“
Doch dabei beließ er es nicht. Er sagte, besser: schrieb, seine Meinung. „Als Jungjäger bin ich 1981 dem damaligen Kreisjägerschaftsvorsitzenden durch einen Leserbrief aufgefallen. Er forderte mich gleich zur Mitarbeit in der Kreisjägerschaft auf.“ Wolfgang Heins wehrte sich damals öffentlich gegen den Vorwurf des NABU, Jäger würden intensiv und illegal Greifvögel verfolgen – und engagierte sich: elf Jahre Schriftführer, zwölf Jahre Presssprecher Obmann für Öffentlichkeitsarbeit sowohl im Kreis als auch auf Landesebene.
1997 wurde Wolfgang Heins zum Kreisjägermeister gewählt, um seitdem die jagdfachliche Beratung der Jagdbehörde des Kreises Pinneberg zu übernehmen. Zwar nahmen die Aufgaben inzwischen ab, weil keine Abschusspläne für das Rehwild mehr auszuarbeiten sind. Doch der Kreisjägermeister ist nach wie vor Vorsitzender der Jägerprüfungskommission, die pro Jahr zwischen 30 und 50 Jungjägerinnen und -jägern das „Grüne Abitur“ abnehmen muss.
Auf Landesebene fungierte Wolfgang Heins von 2002 bis 20111 zunächst als Vizepräsident des Landesjagdverbandes, seit 2016 als dessen Präsident. 2018 kam die Vizepräsidentschaft des Deutschen Jagdverbandes hinzu.
Was treibt jemanden an, so tief und intensiv in die Materie einzutauchen? Wolfgang Heins: „Meine Motivation war immer die Darstellung der Arbeit der Jägerschaft gegenüber der nichtjagenden Bevölkerung. Seit Jahrzehnten beklagen wir die mangelnden Kenntnisse über Natur und natürliche Zusammenhänge und damit einhergehend das Unverständnis für die Aufgaben der Jägerinnen und Jäger, für deren Anteil im aktiven Naturschutz vor Ort und bei der Erfüllung eines gesetzlichen Auftrags.“
Nach der Einschätzung des scheidenden Fachmannes ist da aber keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil: „Für mich hat sich diese Problematik leider in den letzten Jahren noch verstärkt. Es gibt ein Stadt-Land-Problem. Der urbane Raum hat eine verklärte Vorstellung und Sehnsucht nach einem Naturraum, den es so in unserer Kulturlandschaft überhaupt nicht mehr gibt. Jeden Tag verlieren wir Lebensraum für die wildlebenden Tierarten. Nicht nur durch Ausweisung neuer Bau- und Gewerbegebiet. sondern auch durch Bahntrassen, Straßenbau, Windkraft- und FreiflächenPhotovoltaik-Anlagen.“ Deshalb sei der Auftrag an die Jägerinnen Jäger das ständige Hinweisen auf dieses Spannungsfeld und das Anmahnen von Zurückhaltung und Rücksichtnahme auf die Belange des Wildes. Wolfgang Heins: „So verstehen wir uns als Anwälte des Wildes und müssen so handeln, wohl wissend, dass wir damit unbequem sind und immer wieder einmal anecken werden.“
Wolfgang Heins hinterlässt ein gut bestelltes Feld. Der Landesverband wächst. Viele Ideen, die unter seiner Regie in den Jahren entwickelt wurden, konnten umgesetzt werden. Die Kontakte zu politischen Entscheidern funktionieren. Schleswig-Holsteins Jägerinnen und Jäger vernetzen sich bundesweit immer stärker, scheuen auch keinen Kontakt zu anderen Verbänden, sondern suchen die Zusammenarbeit im Sinne der Sache
Wolfgang Heins ist 70 Jahre alt geworden – ein runder Geburtstag ist Anlass, neue Schwerpunkte zu setzen.
Veröffentlichung honorarfrei, Beleg erbeten
Kreisjägerschaft Pinneberg:
Die Kreisjägerschaft Pinneberg ist ein eingetragener Verein und Mitglied im Landesjagdverband Schleswig-Holstein.
Jäger, Jagdberechtigte und Naturliebhaber setzen sich in acht Hegeringen für das Gleichgewicht und die Vielfalt in der Natur sowie den Natur- und Artenschutz ein.
